Ich habe lange nicht in den Kategorien „Was ist mein Ikigai?“ oder „Was ist meine Lebensaufgabe?“ gedacht. Ich habe mich eher über viele unterschiedliche Interessen definiert, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.
Da ist meine Begeisterung für KI, Computer, Netzwerke, Cybersecurity, Open Source und Selfhosting. Ich beschäftige mich gerne damit, wie Systeme funktionieren, wie man sie verbessert und wie man mit Technologie Dinge bauen kann, die vorher nicht möglich waren.
Auf der anderen Seite stehen meine Begeisterung für Natur, Garten, Pflanzen und Kräuter, Wandern, Fahrradfahren und das Leben draußen. Dazu kommen Meditation, Tai Chi, Atemarbeit und der Wunsch nach körperlicher und mentaler Resilienz.
Und dann gibt es meine Familie: meine Frau, meine Kinder, gemeinsame Erlebnisse, Lernen und die Frage, wie ich meinen Kindern Werte und Fähigkeiten mitgeben kann, die ihnen ein gutes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
Lange habe ich diese Dinge eher als verschiedene Seiten meiner Persönlichkeit betrachtet. Durch die Beschäftigung mit meinem Ikigai habe ich begonnen zu erkennen, dass sie vielleicht viel stärker zusammengehören, als ich bisher gedacht habe.
Ich möchte nicht zwischen Natur und Technik wählen
Ein zentraler Gedanke, der sich für mich herauskristallisiert hat, ist die Frage:
Warum müssen Naturverbundenheit und technologischer Fortschritt eigentlich Gegensätze sein?
Ich möchte weder zurück in eine romantisierte Vergangenheit noch in eine Zukunft, in der Technologie jeden Lebensbereich bestimmt.
Ich möchte beides verbinden.
Ich möchte die Möglichkeiten von KI, Open Source und moderner Technologie nutzen und gleichzeitig wieder stärker mit der Natur, meinem Körper, meiner Familie und meiner Gemeinschaft verbunden sein.
Vielleicht ist Solarpunk deshalb ein Begriff, der mich zunehmend anspricht.
Nicht, weil ich darin eine fertige politische oder gesellschaftliche Antwort sehe, sondern weil Solarpunk für mich eine Vorstellung davon verkörpert, wie Zukunft aussehen könnte:
Technologie wird nicht zum Selbstzweck, sondern unterstützt nachhaltiges Leben. Wissen wird geteilt. Gemeinschaften werden resilienter. Menschen produzieren zumindest einen Teil dessen, was sie brauchen, verstehen die Systeme um sie herum und nutzen moderne Technik, ohne von ihr abhängig zu werden.
Technologie soll dem Menschen dienen
In meinem Berufsleben beschäftige ich mich heute intensiv mit KI. Ich berate Unternehmen, löse Enterprise-Probleme mit und durch KI, entwickle Ideen für KI-Tools und baue Strukturen auf, in denen Menschen gemeinsam Erfahrungen mit KI sammeln können.
Ich habe dabei gemerkt, dass mich nicht nur die Technologie selbst interessiert.
Mich interessiert vor allem die Frage:
Was machen wir daraus?
Technologie kann Menschen befähigen. Sie kann Wissen zugänglich machen, Prozesse vereinfachen und uns neue Möglichkeiten geben.
Sie kann aber auch Abhängigkeiten schaffen, Menschen isolieren und dazu führen, dass wir immer weniger verstehen, wie die Systeme funktionieren, von denen wir abhängig sind.
Deshalb sind für mich Themen wie Open Source, Datenschutz, Selfhosting und digitale Souveränität so wichtig.
Ich möchte nicht einfach möglichst viel Technologie einsetzen.
Ich möchte verstehen, welche Technologie mir Freiheit gibt und welche mir Freiheit nimmt.
Freiheit bedeutet für mich Selbstbestimmung durch Kompetenz
Der Begriff Freiheit taucht in meiner Vorstellung immer wieder auf.
Digitale Freiheit bedeutet für mich, meine Daten und meine technischen Systeme möglichst selbst kontrollieren zu können.
Körperliche Freiheit bedeutet für mich, meinen Körper zu kennen, ihn zu trainieren und mich in meiner Umgebung zurechtfinden zu können.
Naturverbundenheit bedeutet für mich nicht nur, gerne im Wald spazieren zu gehen. Ich möchte die Natur besser verstehen.
Ich möchte Pflanzen erkennen können. Ich möchte wissen, was in meinem Garten wächst, wie Boden funktioniert und wie natürliche Kreisläufe funktionieren.
Ich möchte Fähigkeiten entwickeln, die mir und meiner Familie im Alltag mehr Unabhängigkeit geben.
Wenn ich beispielsweise weiß, wie ich Lebensmittel anbauen kann, wie ich Wasser finde und aufbereite, wie ich mich in der Natur orientiere oder wie ich mit begrenzten Ressourcen zurechtkomme, dann entsteht eine andere Form von Sicherheit.
Nicht die Sicherheit, dass immer alles funktioniert.
Sondern die Sicherheit:
„Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich mich anpassen und eine Lösung finden.“
Das ist für mich Resilienz.
Meine technische Stärke und meine naturverbundene Seite sollen zusammenfinden
Heute ist meine technische Kompetenz wesentlich weiter entwickelt als mein Naturwissen.
Das ist wahrscheinlich kein Zufall. Technik ist seit vielen Jahren Teil meines Berufs und meines Lebens.
Naturwissen, Pflanzenwissen, Selbstversorgung und regenerative Systeme möchte ich dagegen erst noch systematisch aufbauen.
Ich sehe darin keine Schwäche, sondern eine Entwicklungsrichtung.
Ich möchte irgendwann nicht nur über Nachhaltigkeit sprechen, sondern sie selbst praktisch erfahren und umsetzen.
Vielleicht entsteht daraus irgendwann ein Garten, in dem moderne Technik und natürliche Systeme zusammenspielen.
Vielleicht gibt es Sensoren, die mir helfen, meinen Boden besser zu verstehen.
Vielleicht nutze ich lokale KI, um Pflanzenwissen zu organisieren.
Vielleicht entstehen Open-Source-Lösungen für Selbstversorgung oder kleine regenerative Betriebe.
Vielleicht wird daraus irgendwann etwas völlig anderes.
Das Ergebnis muss heute noch gar nicht feststehen.
Wichtig ist für mich die Richtung.
Ich möchte Menschen zusammenbringen
Ein weiterer Teil meines Ikigai ist Gemeinschaft.
Ich stelle mir eine Gemeinschaft von Menschen vor, die ähnliche Fragen haben:
Wie können wir nachhaltiger leben?
Wie können wir Technologie selbstbestimmt nutzen?
Wie können wir wieder mehr Naturverbundenheit entwickeln?
Wie können wir resilienter werden?
Wie können wir unseren Kindern eine gute Zukunft ermöglichen?
Und vor allem:
Wie können wir darüber nicht nur reden, sondern gemeinsam etwas erschaffen?
Ich könnte mir eine Art modernen „digitalen Dorfplatz“ vorstellen.
Eine Plattform oder Community, in der Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenkommen.
Der eine kennt sich mit Pflanzen aus.
Die andere mit Energie.
Jemand anderes mit KI.
Ein anderer mit Handwerk.
Jemand kann gut organisieren, jemand kann gestalten, jemand kann Wissen vermitteln.
Aus Diskussionen entstehen Projekte.
Vielleicht wird daraus irgendwann eine Open-Source-Anwendung.
Vielleicht ein gemeinsamer Garten.
Vielleicht ein Bildungsprojekt.
Vielleicht ein Unternehmen.
Vielleicht sogar ein realer Ort.
Ich möchte das Ergebnis nicht von Anfang an festlegen.
Ich möchte den Raum schaffen, in dem etwas entstehen kann.
Meine Rolle sehe ich dabei als Brückenbauer
Ich glaube nicht, dass ich derjenige sein muss, der alles selbst kann.
Meine Rolle sehe ich eher darin, Menschen und Themen miteinander zu verbinden.
Ich kann technische Systeme verstehen und erklären. Ich kann zwischen Menschen und Technik vermitteln. Ich kann eine Vision formulieren und Menschen dafür begeistern.
Ich möchte Gastgeber und Visionär sein und gleichzeitig meine technische Kompetenz als Werkzeug einsetzen.
Vielleicht ist genau das meine besondere Kombination:
Ich muss nicht der beste Botaniker und nicht der beste KI-Entwickler sein.
Ich kann derjenige sein, der beide Welten miteinander ins Gespräch bringt.
Familie ist dabei kein Gegengewicht zu meinem Ikigai
Meine Familie steht nicht außerhalb dieser Vision.
Im Gegenteil.
Eine meiner stärksten Vorstellungen von einem erfüllten Leben ist ein harmonisches Leben mit meiner Frau und meinen Kindern.
Ich möchte meinen Kindern nicht nur erklären, wie die Welt funktioniert.
Ich möchte Dinge mit ihnen erleben.
Mit ihnen im Garten arbeiten.
Pflanzen bestimmen.
Wandern.
Draußen sein.
Gemeinsam Dinge bauen.
Ihnen Technik zeigen.
Mit ihnen darüber sprechen, wann Technik hilfreich ist und wann es gut ist, sie wegzulegen.
Ich möchte ihnen Fähigkeiten und Werte mitgeben, die ihnen ermöglichen, ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Vielleicht ist das letztlich einer der wichtigsten Teile meines Ikigai:
Nicht nur über eine bessere Zukunft zu sprechen, sondern sie im Kleinen mit meiner Familie zu leben.
Ich möchte nicht einfach nur Karriere machen
Ich habe bereits einmal eine sichere berufliche Position verlassen und mich bewusst für einen neuen Weg entschieden.
Der Wechsel von meiner damaligen Tätigkeit als Teamleiter in Mechanik, Konstruktion und Montage hin zur KI-Beratung war ein wichtiger Schritt für mich.
Er hat mir gezeigt, dass Sicherheit alleine nicht ausreicht.
Ich brauche Entwicklung, Gestaltungsspielraum und das Gefühl, dass das, was ich tue, mit meinen Werten vereinbar ist.
Gleichzeitig habe ich finanzielle Verpflichtungen und Verantwortung für meine Familie.
Deshalb sehe ich meinen nächsten Schritt nicht darin, alles aufzugeben.
Ich möchte mein heutiges Leben Schritt für Schritt in Richtung meines Ikigai entwickeln.
Meine bestehende Kompetenz in KI und digitaler Souveränität kann dabei die finanzielle Grundlage bilden.
Parallel möchte ich meine Naturkompetenz erweitern und Menschen finden, die ähnliche Fragen beschäftigen.
Aus diesen beiden Seiten kann langsam etwas Neues entstehen.
Vielleicht geht es am Ende um Balance
Wenn ich mein bisheriges Leben und meine Vorstellungen betrachte, tauchen immer wieder dieselben Spannungsfelder auf:
Natur und Technologie.
Körper und Geist.
Freiheit und Verantwortung.
Tradition und Fortschritt.
Alleinsein und Gemeinschaft.
Selbstbestimmung und Verbundenheit.
Ich möchte mich nicht für eine Seite entscheiden.
Ich möchte lernen, diese scheinbaren Gegensätze miteinander zu verbinden.
Vielleicht ist genau das mein eigentliches Ikigai:
Brücken zwischen Welten zu bauen, die heute oft getrennt gedacht werden.
Mein persönlicher Nordstern
Ich möchte Technik für ein naturverbundenes, freies und menschliches Leben einsetzen.
Ich möchte Menschen zusammenbringen, Wissen teilen und gemeinsam mit anderen Dinge erschaffen, die unsere Welt ein kleines Stück nachhaltiger, resilienter und menschlicher machen.
Ich möchte meinen Kindern vorleben, dass Fortschritt nicht bedeutet, sich immer weiter von der Natur zu entfernen.
Und ich möchte selbst lernen, wie wir moderne Technologie nutzen können, ohne unsere Wurzeln zu verlieren.
Vielleicht ist meine Aufgabe am Ende gar nicht, die perfekte Lösung zu finden.
Vielleicht besteht sie darin, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam bessere Lösungen finden können.
Und vielleicht ist das auch der Grund, warum mich der Gedanke an eine Gemeinschaft so stark anspricht.
Nicht einer muss die Antwort haben.
Wir können sie gemeinsam erschaffen.
Mein Ikigai in einem Satz
Ich möchte Menschen, Natur und Technologie miteinander verbinden und dazu beitragen, dass wir moderne Möglichkeiten nutzen können, ohne unsere Freiheit, unsere Gemeinschaft und unsere Verbindung zur Natur zu verlieren.